Vibrator

Die Geschichte des Vibrators

Mit Sicherkeit gibt es heutzutage keinen Volljährigen, der nicht weiss, was ein Vibrator ist. Die Menschen sind so sehr daran gewöhnt, die  Wörter „Vibrator“ und „Vibration“ mit dem kleinen Gerät der Liebe zu assoziieren, dass sie daran denken, sogar wenn es um die Vibration eines Handys geht. Tatsache ist, dass der Begriff sehr bekannt ist, aber wieviel genau weiß man darüber? Weißt Du zum Beispiel, wann der erste Vibrator hergestellt wurde und wie er ausgesehen hat?

Das gute alte Altertum

Der Vibrator ist älter als jeder von uns, eigentlich ist er sogar älter wie deine ganze Familie zusammengenommen. Zum ersten Mal begann man über ein solches Gerät während der Zeit der Antike zu sprechen. Die Nachfolger von Hippokrates fanden heraus, dass die Gebärmutter ein Organ mit nicht fester Position ist, dass sich frei im Frauenkörper bewegen kann. Diese „Bewegungsfreiheit“ schuf gewisse Probleme – sie zwang die Frauen sich über Nervosität, Schweißausbrüche und Schlaf- und Appetitlosigkeit zu beklagen. Diese Beschwerden waren eine klare Diagnose und bekam den wohlklingenden Namen „Hysterie“ (vom griechischen Wort Gebärmutter – hysteros). Wie bei jeder Krankheit gab es für die Hysterie auch ein Heilmittel, das Paroxysmus genannt wurde – das ist die romantischere Bezeichnung des uns schon bekannten „Orgasmuses“. Die damaligen Heiler benutzten die Vaginamassage als Behandlungsmittel zur Heilung ihrer „hysterischen“ Patientinen.
Zur gleichen Zeit hat der angesehene griechische Physiker Galen beschlossen, der nackten Wahrheit in die Augen zu schauen und erklärte nach ein paar nicht besonders kurzen aber logischen Schlussfolgerungen, dass die Hysterie infolge der sexuellen Unbefriedigung, besonders bei feurigeren Vertreterinnen des zarten Geschlechts entstünde. Sie wurde bei Nonnen, Jungfrauen, Witwen und bei den mit nicht besonders geschickten Männern verheirateten Frauen beobachtet (wenn man darüber nachdenkt sieht die Hysterie bei den heutigen Frauen nicht anders aus). Diese Situation verlangte drastische Maßnahmen, so dass die großen Gelehrten die Ärmel hoch krempelten mussten. So entstand die Idee von einem Gerät, das die Vaginawände massiert und zum Paroxysmus führt – man kann also sagen, dass zu dieser Zeit der erste Dildo entstand.

Die großen Jungen

Der Vibrator machte viele verschiedene Entwicklungsphasen durch, ganz zu Anfang wurde das Gerät von einem Dampfmotor angetrieben, aufgrund des Fehlens von elektrischen Antrieben. Erst im Jahr 1880 erfand Kelsi Stinar den ersten strombetriebenen Vibrator – bestimmt zur Behandlung der „Hysterie“, oder in Medizienersprache ausgedrückt – „genitale Congestion“.  Schon seit der Zeit von Hippokrates wurden die Frauen gelehrt, dass sie sich eigenhändig von dieser „Krankheit“ durch Handlungen, die wir heutzutage Masturbation nennen heilen kann. Interessant ist, dass damals die klitorale Stimulation für alles andere gehalten, aber nicht als etwas, was mit der „schädlichen Masturbation“, geschweige denn mit Sex verbunden wurde. Wenn es nicht reinkommt, ist es auch kein Sex – kommt euch das nicht bekannt vor? ;-)
Der Vibrator ist als solcher drei Jahre später – im Jahr 1883 von dem britischen Arzt Mortimor Granville – patentiert worden. Das Original des Gerätes ist riesengroß und schwer transportierbar, so dass der einzig mögliche Platz zur Aufbewahrung die ärztliche Praxis war. Zum Glück der Frauen, bekamen die Vibratoren in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts handlichere Größen (etwa so groß wie eine Nähmaschine...) und es war mittlerweile schon Möglichkeiten diese nach Hause zu transportieren. Interessant ist die Tatsache, dass der Vibrator zehn Jahre früher als die erste Waschmaschine mit Elektrizität versorgt wurde! Im Jahr 1902 patentiert die amerikanische Firma „Hamilton Beach“ den ersten elektrischen Vibrator für den Einzelhandel, dadurch wurde er das fünftmeist benutzten Hausgerät, dass mit Elektrizität versogt wurde – nach der Nähmaschine, dem Ventilator, dem Teekessel und dem Toaster. Sogar Staubsauger und das elektrische Bügeleisen waren in der Bevölkerung noch nicht so populär, Beeindruckend, nicht wahr?

Ein für dich, ein für mich

Erste  eletrische Vibratoren Zeitgleich mit der Vibratorproduktion für den Haushaltgebrauch verschwanden sie von den ärtzlichen Praxen. Das Erscheinen von Vibratoren in der Pornografie veränderte Augenblicklich das Image der bis jetzt gut angesehenen Heilgeräte. Der Niedergang begann kurz vor dem Ersten Weltkrieg, als der Handel beginnt die weit verbreitete Werbung von Vibratoren mit Sexualität in Verbindung zu bringen. Die schüchterne Gesellschaft reagiert empört und erteilt für die nächsten fünfzig Jahre ein Verkaufsverbot. Wie alles was verboten ist, fand auch der Vibrator seinen Weg in den Handel zurück, indem er als „Massagegerät“ oder dergleichen benannt wurde.
Bis 1980 ändert sich der Stand der Dinge nicht wesentlich, es erscheinen neue „Geräte“ in Körperfarben, welche mit Phallusformen modelliert sind und insgeheim gekauft werden. Wie die Zeiten sich nur geändert haben! Heutzutage sind Vibratoren kleiner, in allen Farben und Formen und mit verschiedenen Funktionen erhältlich und Frauen können sie in Fachgeschäften sogar auf der Hauptstraßen einkaufen. Aber die Scham und Verlegenheit, die mit dem Vibrator und mit der sexuellen Stimulation im Ganzen verbunden ist, scheint immer noch über der modernen und angeblich freien Gesellschaft zu hängen. Vielleicht schämen wir uns wirklich, oder vielleicht gefällt uns auch die Empfindung des „Verbotenen“ und irgendwie „Unrechten“, obwohl es alles andere als das ist. Die Schuld liegt offensichtlich größtenteils beim Porno – wie bereits geschrieben wurde der Vibrator Anfangs zu rein medizinischen Zielen verwendet. Und dann wundert man sich auch noch, warum Frauen so auf Ärzte stehen…